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Freitag, 29. April 2016

7 alter regen

alter regen

aus neuen wolken schüttet es
als wenn der himmel weint
von orten die ich nicht kenne
und ich will rennen
zurück nach dort, wo alles irgendwie meins ist
es ist verlockend doch falsch
denn alter regen ist genau so nass wie neuer

Freitag, 22. April 2016

6 Alltag

Alltag

als ich langsam im treibsand versinke
denke ich an die gemeine ironie
dass atmenluft aus sand das macht
woran ich gleich ersticken werde.

Freitag, 15. April 2016

5 kardiomegalie

kardiomegalie

eines tages
es muss am ende des sommers meiner unschuld gewesen sein
schmerzte mir die brust
also ging ich zum arzt der mir sagte
mein herz sei zu groß für meinen körper

mit jedem tag wurde der schmerz schlimmer
ich inhalierte zigarettenqualm und schüttete whisky in mich
aber der schmerz blieb
er wurde schlimmer von tag zu tag
also entschied ich mich
mein herz aus meinem körper zu entfernen und gehen zu lassen

dann konnte ich funktionieren
meine augen wurden grau
meine krawatte bunt
mein konto voll
im spiegel sah ich einen mann von rang und namen
ich rannte ständig im kreis
wusste von jedem ding den preis
aber von nichts mehr den wert

mein herz aber zog in den krieg
kämpfte sich durch den smog
der das sonnenlicht
davon abhält in unseren alltag einzudringen
und mit jeder narbe die es davon trug
wurde es stärker.
es ging um die ganze welt
nur um am ende wieder dort zu landen
wo es losgegangen war

als ich an einem morgen schnell zu einem termin eilte
traf ich eine schamanin
die in der gasse zwischen zwei hochhäusern
auf einem teppich in der kälte saß.
sie reichte mir eine kleine hölzerne kiste
darin war mein herz
es sah ganz anders aus als zuvor

ich dachte: nein, das ist nicht meins!
und vergrub mein herz auf dem friedhof meiner ideale
doch ich wusste von meiner lüge
und jeden tag als ich die ersten kalten sonnenstrahlen
des neuen winters auf meiner haut spürte
wie scharfe schnitte
rief es mich warm vom totenacker
also setzte ich es mir wieder ein

an diesem tag war der schnee wie zuckerwatte.

Freitag, 8. April 2016

4. verbotene farben

verbotene farben

ein bekenntnis:
die lebenden denken
es gäbe keine neuen farben mehr
doch wer schonmal gestorben ist weiß
es stimmt nicht

die welterklärer
mit ihren gezuckerten pestmasken
tanzen den cancan
während die toten gaffen
aufgereiht an den wänden ihrer exikution
und trinken den tod aus
schillernddunklen bechern

unser leben wird durch drei farben konstruiert
alle anderen sind nur ein gemisch
sich überlappende wellen
die kein platz lassen
mit dem herzen zu sehen.

Freitag, 1. April 2016

3. vom tod eines spatzen

vom tod eines spatzen


als ich ein kind war
reichte ein ruf eines freundes
und wir spielten den ganzen tag fußball
bis zum umfallen.


als ich ein kind war
waren meine knie aufgeschlagen
und meine ellbogen auch
ohne grund einfach so.


als ich ein kind war
konnte ich so tun
als ob ich zum ersten mal mit dem bus fahre
und darüber lachen.


als ich ein kind war
war hinter dem haus meiner großmutter
ein großes weizenfeld
vor dem feld stand eine platane
bewohnt von spatzen.


eines tages nahm ich meine fletsche und einen stein
und schoss ihn mitten in die spatzen
ich traf
und ein spatz fiel zu boden.
aus blutigen augen sah er mich an
sein blick fragte
und starb.


in dem moment gab es einen donner
doch meine ohren waren zu klein um ihn zu hören
und die sonne
die am nächsten tag aufging
war anders als am tag zuvor.