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Freitag, 28. August 2015

3 Radikaler Behaviorismus: Kritik an R. Dawkins

3 Radikaler Behaviorismus: Kritik an R. Dawkins



Die Kritik an den Thesen von Dawkins sollen nicht sehr ausgedehnt behandelt werden. Ich möchte sie kurz, aber prägnant zusammenfassen.

3.1 Der große Kategorienfehler

Nach Dawkins ist „die zentrale These dieses [Das egoistische Gen] Buches, daß wir [Menschen] und alle anderen Tiere Maschinen sind, die durch Gene geschaffen wurden.“ (Dawkins 2010: 37; Ergänzungen von PB). Die Gene seien „Überlebensmaschinen“ (ebd.: 63). Die inhärenten Ziele von Genen sei die Selbsterhaltung. Als Individuum sowie als Art. Dieser Selbsterhaltungstrieb sei egoistisch. Das nenne ich radikalen Behaviorismus.

Egoismus wird als Gegenteil von Altruismus definiert:

Ein Organismus, beispielsweise ein Pavian, gilt als altruistisch, wenn er sich so verhält, daß er das Wohlergehen eines anderen gleichartigen Organismus auf Kosten seines eigenen Wohlergehens steigert. Egoistisches Verhalten hat genau die entgegengesetzte Wirkung. Wohlergehen ist definiert als Überlebenschancen, selbst wenn der Effekt auf die tatsächliche Leben- und Todesaussichten so klein ist, daß man ihn scheinbar vernachlässigen kann. (ebd.: 40).

Gene würden sich also so verhalten, dass ihre eigenen Überlebenschancen auf Kosten eines anderen gleichartigen Organismus gesteigert werden.

Auch Dawkins kann in eine behavioristische Tradition gestellt werden, da die Definitionen von Altruismus und Egoismus nur am objektiven Verhalten orientiert sind und nicht an Intentionen (vgl. ebd.). Das ist die Grundlage der dawkins'schen These. Doch Dawkins begeht einen „doppelten“ Kategorienfehler.

Der erste Kategorienfehler besteht darin, das „Verhalten“ von Genen zu beschreiben. Diesen Fehler versucht Dawkins zu antizipieren, indem er sagt: „In der Praxis ist es gewöhnlich zweckmäßig, den einzelnen Körper annäherungsweise als Subjekt zu betrachten, dass die Zahl seiner Gene in zukünftigen Generationen zu vergrößern „sucht“.“ (ebd.: 104). Ebenso sei es unzweckmäßig über Quanten zu sprechen, wenn man die Funktion eines Autos beschreibt.

3.2 Hawking vs. Dawkins

Auf den ersten Blick erinnert Dawkins These an die von Hawking: Beide möchten den Menschen Subjektivität nur soweit zuschreiben, das eine Theorie zur Erklärung men-schlichen Verhaltens herauskommt. Die Thesen unterscheiden sich aber in zwei entscheidenden Punkten:

Einerseits sagt Dawkins, Gene seien egoistisch. Egoismus muss zwangsläufig als psychische Kategorie gesehen werden. Egoismus nur über objektives Verhalten zu definieren ist nicht tragbar. Ich möchte das an einem Gedankenexperiment erörtern:

Wir stellen uns eine Person vor. Nennen wir sie Katja. Katja möchte Sven eine Freude machen. Deshalb kauft Katja ein Rubbel los vom Bahnhofskiosk in voller Absicht es Sven zu geben und keinen Anspruch auf einen möglichen Gewinn zu erhalten. Ganz im Gegenteil. Es ist Monatsende und eigentlich sollte Katja das Geld besser für Lebensmittel ausgeben. Was Katja nicht weiß ist, dass Sven Glücksspiele verabscheut. Als Katja Sven das Los geben möchte, lehnt Sven das Los ab. Katja ist traurig, behält das Los aber. Einige Tage später hat Katja großen Hunger. Sie erinnert sich an das Los und entfernt den silbrigen Sichtschutz vor dem Gewinnfeld. Dann kommt die große Überraschung: Katja hat gewonnen und ist Millionärin. Damit hat sie ihre Überlebenschancen deutlich erhöht.

Nach Dawkins ist dieses Verhalten egoistisch, da nur das objektive Verhalten gesehen werden kann: Katja versucht Geld zu gewinnen. Sowohl die altruistische Einstellung Katjas als auch die ablehnende Haltung Svens dürfen nicht berücksichtigt werden.

Nimmt man diese Position ernst, dann dürfte man kein Urteil fällen, bis alle möglichen Ergebnisse eines Verhaltens beobachtet sind. So könnte Sven insgeheim Mitglied der „Militanten Anti-Glücksspiel Organisation“ (kurz: MAGO) sein. Da Katja jetzt Millionärin durch Glücksspiel geworden ist, muss Sven sie umbringen, da es so im Kodex des MAGO steht. Ist es für einen externen Beobachter möglich wahrzunehmen, dass Sven nun in lebensgefährlicher Konkurrenz zu Katja steht, dann war Katjas Verhalten altruistisch: Sie hat dem Verkäufer Geld gegeben, trotz drohender Lebensgefahr.

Damit ist gezeigt, dass Egoismus und Altruismus rein psychologische Kategorien sind und nicht auf Gene angewendet werden können.

Andererseits sagt Hawking, dass der Mensch einen freien Willen hat, da unsere Zusammensetzung überkomplex ist. Dawkins hingegen spricht Lebewesen ihre Intentionalität ab: „Wenn wir ein Tier beobachten, wie es Nahrung, einen Geschlechtspartner oder ein verlorengegangenes Junges „sucht“, so können wir kaum umhin, ihm einige der subjektiven Gefühlen zuzuschreiben, die wir an uns selbst erfahren, wenn wir etwas suchen.“ (ebd.: 108). Wieso stellt Dawkins die Intentionalität eines Menschen in Frage und behauptet im Gegenzug, Gene seien egoistisch. Selbst aus einer physikalisch-mathematischen Position ist es kein Problem, Intentionalität, genau wie freien Willen, einer Person zuzuschreiben.

Es wäre sinnvoll, Ockhams Rasiermesser erneut anzusetzen, Intentionalität als ein Phänomen von Personen anzuerkennen und gleichzeitig Genen abzusprechen. Personen haben Intentionen. Gene haben keine Intentionen.

3.3 Evolution Revisited

Gene haben kein egoistisches Interesse daran zu überleben. Das liegt zum einem daran, dass Gene nicht leben. Zum anderen sind Gene einfach stabile Moleküle. Sie existieren, ohne aktiv zu handeln. Das führt uns zu einem weiteren Denkfehler in Dawkins Thesen:

Er behauptet mit militanter Vehemenz, dass Evolution ein Prozess, der durch Zufälle angetrieben wird. Eine These, die auch Metzinger vertritt. Ich möchte eine alternative Perspektive auf das Phänomen der Evolution vorschlagen.

Die Evolution des Menschen ist nicht durch Zufälle entstanden, sondern das Ergebnis des Fortbestehens der stabilsten Form von Molekülen unter gegebenen Umständen. Damit muss die Evolution der Lebensformen auf unserem Planeten zwangsläufig ihren Weg so nehmen, wie sie ihn genommen hat. Auch würde sie unter gleichen Startbedingungen die selben Ergebnisse liefern.

Folgend rücken die Thesen T. Metzingers in den Fokus unserer Aufmerksamkeit.

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